01 Stubengesellschaft des Pädagogiums neben der Kapelle um 1900

(Bild 1) Stubengesellschaft des Pädagogiums neben der Kapelle um 1900

Der Name "Monplaisir" kommt aus dem französischen und bedeutete "Mein Vergnügen".
Die Geschichte dieser Parkanlage ist eng verbunden mit der Geschichte des Pädagogiums in Niesky, das zum weit verzweigten Erziehungswerk der Herrnhuter Brüdergemeine gehörte.  
 
Niesky war ein bedeutender Schulstandort der Herrnhuter Brüderunität mit Schulen unterschiedlichsten Typs. Bereits 1751 zog die Unitäts-Knabenanstalt in die noch junge Brüdergemeinesiedlung, 1760 folgte die weiterführende Schule, das Pädagogium.  
Beide Internatsschulen verfügten über eine eigene Grünanlage. Im Gegensatz zum Spielplatz der jüngeren Schüler im Astrachan, wurde Monplaisir als Park für Spaziergänge und zur Erholung angelegt. Gleichzeitig konnten sich die Schüler des Pädagogiums hier körperlich betätigen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

02 Karte von 1771

(Bild 2) Ortsplan von 1771 (Kartenausschnitt)

Beginn im „Knabengarten“ - Ortsplan von 1771

Bereits auf der Karte von 1771 findet sich eine, als „Knabengarten“ ausgewiesene, kleine Grünanlage (siehe Nr. 49) nordöstlich vom Gottesacker. Dies ist der Beginn der Parkanlage Monplaisir. Heute befindet sich auf diesem Gelände hinter der Roten Schule das Heizhaus.
Vermutlich begannen die ersten Arbeiten am Knabengarten Anfang der 1760er-Jahre zeitgleich mit der Verlegung des Pädagogiums nach Niesky.

03 Entwurfsplan von Monplaisir

(Bild 3) Entwurfsplan für Monplaisir, um 1770 (Archiv EBU Herrnhut)

Großzügiger Entwurfsplan für den Monplaisir, um 1770
 
Der Entwurfsplan für den Monplaisir (um 1770) präsentiert eine Anlage mit umfangreichem Wegesystem und zahlreichen Bauwerken. Sichtachsen in Nord-Süd- und West-Ost-Richtung bilden die Grundlage, gesäumt von verschlungenen Wildwegen. Rondelle, Sitzbänke und Zäune vervollständigen das Bild. Drei steinerne Hütten, ein hölzerner Pavillon mit Aussichtsplattform, ein steinerner Pavillon sowie mehrere Denkmäler sind auf dem Plan zu erkennen. Auch der Judenberg ist bereits verzeichnet.

04 Karte von 1773

(Bild 4) Ortsplan von 1773 (Kartenausschnitt)

Ortsplan von 1773
Erste Umsetzungsarbeiten für den Aufbau der Parkanlage zeigt der Kartenausschnitt von1773. Der ehemalige Knabengarten hat sich nun in eine parkähnliche Anlage verwandelt und ein ausgeprägtes Wegesystem in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung ist erkennbar. 

05 Karte von 1782

(Bild 5) Ortsplan von 1782 (Kartenausschnitt)

Ortsplan von 1782 – Neu-Monplaisir entsteht
Auf dem Kartenausschnitt von 1782 ist die Anlage bereits um ein vielfaches größer. Im Osten stößt sie schon an die Ödernitzer Grenze, im Süden an die heutige Parkstraße und im Norden an die heutige Konrad- Wachsmann-Straße. Die gradlinigen Sichtachsen wurden weitergeführt und von verschlungenen Wegen gesäumt. Im Zentrum des Parks erhebt sich deutlich sichtbar der Judenberg. Zwei Bauwerke, im Zentrum und im ehemaligen Knabengarten, sind zu erkennen. Auf dieser Karte findet sich zum ersten Mal die Bezeichnung "Promenade der Knaben, Monplaisir genannt".
 
Die erstaunlich schnelle Entwicklung von Monplaisir ist auch eine Folge der wachsenden Bedeutung des Nieskyer Pädagogiums in dieser Zeit. Es ist kaum vorstellbar, wie viele Arbeitsstunden und finanzielle Mittel bis dahin nötig waren, um eine Anlage dieser Größe auf dem nur wenig fruchtbaren Heideboden zu errichten und zu pflegen.  
In den 1780er-Jahren gingen die Arbeiten weiter voran. Da der Park bereits an der Ödernitzer Grenze angelangt war, konnte eine Vergrößerung jetzt nur noch in südlicher Richtung erfolgen. Die heutige Parkstraße teilte den Park nun in Alt-Monplaisir und Neu-Monplaisir. Bis 1789 erfolgte die Errichtung der meisten Bauwerke im Park.

06 Karte 1823

(Bild 6) Ortsplan von 1823 (Kartenausschnitt)

Ortsplan von 1823
Anhand des Kartenausschnittes von 1823 lässt sich die weitere Entwicklung gut nachvollziehen. Während man in Alt-Monplaisir größtenteils gradlinige Sichtachsen vorfindet, erstreckt sich in Neu-Monplaisir ein Netz aus verschlungenen Wegen. Auch der Judenberg sowie einige Bauwerke sind eingezeichnet, zu denen in den nächsten Jahrzehnten noch weitere hinzu- kommen werden.  


Die roten Zahlen markieren die Standorte der uns bekannten Bauwerke und Denkmäler.
 
01) Die steinerne Hütte,  02) Obelisk „Hora Ruit“,  03) Der Judenberg, 04) Die Kapelle am Fuße des Berges, 05) Die Schordan-Säule, 06) Der steinerne Pavillon, 07) Das Turnerdenkmal, 08) Das Schleiermacher Denkmal, 09) Der “SIWAH”-Stein, 10) Die Zembsch-Säule, 11) Der hölzerne Pavillon, 12) Die hölzerner Hütte, 13) Die Nordhütte, 14) Die Ruine, 15) Gedenkstein, 16) Die Grotte,   17)  Der japanischer Tempel, 18)  Der Bismarck-Stein, 19)  Der Hungerturm, 20)  Der Weiz-Stein, 21) Die Freilichtbühne

07 Spaziergang in Monplaisir um 1900

(Bild 7) Spaziergang in Monplaisir um 1900

Durch die Anlegung einiger, teilweise sehr kunstvoller Bauwerke und Denkmäler in der Zeit
zwischen 1808 und 1900 und weiteren Verschönerungen der Anlage entwickelte sich
Monplaisir immer mehr zu einer stattlichen Parkanlage, in der bald ganz Niesky mit Vorliebe
lustwandelte.
 
 
Entwicklung der Parkanlage nach dem 2. Weltkrieg bis heute
 
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 zeigte sich der Park in einem bedauernswerten Zustand, viele Bauwerke trugen Schäden. Ob dabei der Krieg oder der zeitliche Verfall ursächlich waren, ist jedoch unklar. 1946 wurden im Zuge der Enttrümmerungsarbeiten die Schützengräben im Park zugeschüttet. Anfang der 1950er Jahre wurden die meisten Bauwerke und Denkmäler, ob beschädigt oder nicht, abgerissen oder unkenntlich gemacht.
Einerseits diente der Abriss einiger Ruinen, wie dem Hungerturm, dem Japanischen Tempel und der Kapelle, der Sicherheit der Besucher. Andererseits sollte auf staatliche Anweisung hin mit der Vergangenheit gebrochen werden.
 
1953 schließlich erfolgte der Umbau zum Volkspark. Mit Klettergerüsten, Sandkästen und Tischtennisplatten ausgestattet, trug Alt-Monplaisir nun mehr den Charakter eines Spielplatzes. In Neu-Monplaisir hingegen blieb das alte System verschlungener Wege beinahe vollständig erhalten, wenn auch vom Wildwuchs verdeckt.  
 
Seinen Charme hat die historische Parkanlage bis heute nicht verloren, auch wenn sich das Aussehen teils stark verändert hat. Die ruhige Lage, die reichhaltige Vegetation und die vielen schattigen Sitzplätze machen diesen Park zu einem idyllischen Plätzchen, in dem man auch heute noch gerne etwas verweilt.  
Seit 2017 tut sich wieder etwas im Park. Eine Initiative zur Wiederbelebung Monplaisir´s begann damit, die vorhandenen Denkmäler wieder auf- und herzurichten. Desweiteren wurde Wildwuchs entfernt, die Freilichtbühne vom Unterholz befreit und das alte Wegesystem wieder freigelegt. Die Maßnahmen, allesamt spendenfinanziert, dauern noch an, und die Zukunft wird zeigen, wie sich das Aussehen Monplaisir´s entwickelt.

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